Montag, Januar 19, 2026
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Nachruf Dimo Werner

Quelle: Schachbund.de

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Dimo Werner ist tot. Der Internationale Meister verstarb, wie erst jetzt in Schachkreisen bekannt wurde, bereits im August 2025 im Alter von 73 Jahren in einem Pflegeheim. Jürgen Brustkern, der Werner gut kannte, informierte uns über seinen Tod.

Dimo Werner bestritt für die BRD insgesamt elf Länderspiele in den Jahren 1980 und 1983. 1980 in Rovinj (Jugoslawien) spielte der noch titellose Werner hinter IM Eric Lobron am zweiten Brett und blieb in seinen fünf Partien mit drei Siegen und zwei Unentschieden ungeschlagen. Die BRD gewann das Turnier vor dem favorisierten Gastgeber.
Beim Mitropacup 1983 in Linz (Österreich) wurde die BRD Zweiter hinter Jugoslawien. Werner, damals bereits FIDE-Meister, spielte an Brett drei hinter den IM Stefan Kindermann und Ralf Lau. (fb)

Nachruf von Jürgen Brustkern

Hiermit gebe ich das Ableben des Meisterspielers IM Dimo Werner (* 05.10. 1952; † 29.08.2025) bekannt. Der ausgebildete Psychologe wuchs in Mainz auf, wo er nach einem zweiten schweren Schlaganfall verstarb.

Die ersten schachlichen Schritte machte er bei dem starken Verein Schott Mainz, wo er vom mehrfachen Hessenmeister Wilhelm Schifferdecker (1919-1994) trainiert wurde. Schifferdecker lehrte ihn vor allem furchtlos an das königliche Spiel heran zugehen, und immer optimistisch zu bleiben. Diese optimistische und furchtlose Haltung half dem frankophilen Lebemann auch dabei gegen die größten Spieler über raschende Erfolge zu erzielen. Z.B. besiegte er in der ersten einteiligen Bundesligasaison am Spitzenbrett den damaligen WM-Kandidaten Dr. Robert Hübner (1948-2025; 75-Züge-Partie am 8.2.1981).
Werner beendete Anfang der 1990er Jahre seine professionelle Schachkarriere (letzter Klub war St. Ingbert für den er in der 2. Bundesliga antrat) und arbeitete im VIP-Bereich des Frankfurter Flughafens. Dort lernte er die „Frau seines Lebens“ kennen, und zog mit der Finnin Anfang der Nullerjahre nach Budapest. Genau an seinem 50. Geburtstag kehrte er jedoch zurück zu seiner ersten „Geliebten“ und spielte quasi als „Stammangestellter“ die berühmte monatliche Turnierserie des „First Saturday“ mit.

Im November 2008 erlitt er bei einem Turnier im ungarischen Harkany einen schweren Schlaganfall. Glücklicherweise konnte er durch die Aufmerksamkeit von deutschen Schachfreunden zu einem Krankenhaus transportiert werden und notoperiert werden. Ein knappes halbes Jahr später wurde er durch die Unterstützung einer kirchlichen Institution von Budapest aus zurück zu seinem Geburtsort Mainz befördert. Mit Hilfe der staatlichen Verwaltung (vor allem durch den schachaffinen Ex-Bürgermeister Jens Beutel (1946-2019)) vermittelt man ihm eine Unterkunft und einen Betreuer. Trotz des schweren Schlaganfalls spielte er weiterhin Schach und trat in der Saison 2020/21 zuletzt für den Schott Mainz sogar wieder in der 2. Bundesliga an (letzte Partie lt. Megabase 2023). Aufgrund seiner stetig verschlechterten Gesundheit wurde er 2024 in einem Pflegeheim untergebracht, wo er Ende August verstarb.

Titelbild:

Dimo Werner 2013 in Bingen nach dem Gewinn der Rheinhessischen Schnellschachmeisterschaft

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